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Pressemitteilung: 08.11.2016 12:32
Themenbereich:  [Kultur] 

Bozens Stolpersteine 2016

Stolpersteine (Bild: , 1,924 Kilobyte, 2256 x 1496 pixel)

Stolpersteine

 
Pflege aus Anlass des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938

Mit den Novemberpogromen von 1938 wurde die Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung gesteigert, die knapp drei Jahre später in den Holocaust mündete. Höhepunkt der Verfolgung war die "Reichspogromnacht" am 9./10. November 1938, in der zahllose Synagogen, Bethäuser, Geschäfte und Friedhöfe zerstört, Tausende Menschen in Konzentrationslagern inhaftiert und Hunderte von ihnen ermordet wurden.

Auch in Bozen erinnern seit dem Jänner 2015 - 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau - fünfzehn Stolpersteine an die Schicksale von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die den Genozid der Nazis, in Südtirol eifrig von den Faschisten unterstützt, nicht überlebt haben. Die Gedenksteine wurden vom deutschen Künstler Gunter Demnig auf Initiative des Stadtarchivs Bozen letztes Jahr an verschiedenen Standorten des Altstadtbereichs vor dem letzten freiwillig gewählten Wohn- oder Arbeitsort der späteren Opfer verlegt, ihre Inschriften in eine Messingplatte eingeprägt.

Bozens Kulturstadtrat Sandro Repetto hat das heurige Gedenken an die Pogrome zum Anlass genommen, eine Reinigung der Stolpersteine zu veranlassen. Hannes Obermair, Direktor des Stadtarchivs, und sein Mitarbeiter Gottlieb Wiedenhofer haben nun die Steine einzeln einer behutsamen Pflege unterzogen. Das mit der Zeit dunkel angelaufene Messing der Stolpersteine leuchtet nun wieder deutlich sichtbar und geht nicht mehr optisch in der Umgebung auf.

Die Stolpersteine erinnern in Bozen derzeit an folgende Opfer des NS-Rassenwahns: Aldo Castelletti (1891-1943), Renzo Carpi (1887-1943), Lucia Carpi-Rimini (1900-1943), Alberto Carpi (1926-1943), Germana Carpi (1927-1943), Olimpia Carpi (1940-1943), Charlotte Landau-Neuwohner (1885-1944), Felicitas Landau (1913-1944), Adalgisa Ascoli (1887-1943), Adolf Schwarz (1871-1944), Josef Weinstein (1876-1944), Wilhelm Alexander Loew-Cadonna (1873-1944), Auguste Freund (1882-1944), Ada Tedesco (1881-1945), Bernhard Czopp (1879-1944).

Eine von ihnen, Olimpia Carpi, geboren am 27. März 1940 in Bozen, war gerade mal drei Jahre alt, als sie ins NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Ihre Eltern, Lucia Rimini und Renzo Carpi, hatten in Mantua geheiratet und lange in Innsbruck gelebt, wo ihre älteren Geschwister Alberto und Germana geboren wurden. 1933 übersiedelte Familie Carpi nach Bozen, wo Renzo seine Handelstätigkeit fortsetzte. In der Nacht vom 15. auf den 16. September 1943, wenige Tage nach der Besetzung Südtirols durch die deutsche Wehrmacht, wurde Olimpia mit ihrer Mutter Lucia und ihrer sechzehnjährigen Schwester Germana zu Hause festgenommen. Renzo und der siebzehnjährige Alberto waren bereits einige Tage vorher, am 9. September 1943, in Bozen verhaftet und ins Gefängnis gebracht worden. Die gesamte Familie Carpi wurde ins "Arbeitserziehungslager" Reichenau bei Innsbruck und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

(pr)
 
Reinigung (Bild: , 1,745 Kilobyte, 2256 x 1496 pixel)

Reinigung

Stolpersteine werden gereinigt (Bild: , 1,820 Kilobyte, 2256 x 1496 pixel)

Stolpersteine werden gereinigt

Hannes Obermair und Gottlieb Wiedenhofer (Bild: , 1,716 Kilobyte, 2256 x 1496 pixel)

Hannes Obermair und Gottlieb Wiedenhofer

Olympia Carpi (Bild: , 43 Kilobyte, 199 x 352 pixel)

Olympia Carpi

Wilhelm Alexander Loew-Cadonna (Bild: , 671 Kilobyte, 1275 x 1665 pixel)

Wilhelm Alexander Loew-Cadonna

 
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