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Pressemitteilung: 07.11.2011 11:12
Themenbereich:  [Kultur]  [Veranstaltungen] 

Bürgermeister lädt zum Lichtfest in die Silbergasse (10/11/11, 19 Uhr)

Innovative Gasbeleuchtung (Bild: , 14 Kilobyte, 312 x 250 pixel)

Innovative Gasbeleuchtung

 
1861-2011: Das Bozner “Lichtfest” vor 150 Jahren

Bürgermeister Luigi Spagnolli erinnert an ein rundes Jubiläum und lädt die Stadtbevölkerung zum "Lichtfest" am 10. November 2011, 19.00 Uhr, in Bozens Silbergasse ein.

Vor exakt 150 Jahren hat Bürgermeister Joseph Streiter mit der Einführung der ersten Bozner Gasbeleuchtung auch ein kräftiges stadtpolitisches Zeichen der Erneuerung im liberalen Geiste gesetzt.

Gemäß Recherchen des Bozner Stadtarchivs fand das Ereignis vom 10. und 11. November 1861 nicht zufällig am "Schillertag" (dem Geburtstag Friedrich Schillers) statt; es wurde vom nationalliberalen Stadtvater bewusst zum "Lichtfest" hochstilisiert, das die definitive Ankunft der aufgeklärten Moderne in Bozen symbolisieren sollte.

Der damalige "Bote für Tirol und Vorarlberg" brachte einen aussagestarken Bericht, der auch das fein kalkulierte Irritationspotential der Festivitäten zur Sprache bringt.

Die Feierlichkeiten begannen mit einem Prolog am Vortag (10. Nov. 1861) im Theater ( Palais Pock-Kaiserkrone). Sie wurden am 11. Nov. mit einem Freischießen der Meraner Schützen fortgesetzt.

Dr. Streiter selbst hielt eine offensichtlich sehr patriotische Rede, und man brachte Toasts auf den deutschtirolischen Zusammenhalt aus (und implizit auf den Deutschen Bund, wir sind ja noch vor der kleindeutschen Reichsgründung von 1870/71 und Streiter war Abgeordneter im 1866 aufgelösten Frankfurter Parlament gewesen).

Auf diesen Part folgte ein sinnfälliger Festzug mit Verabschiedung der Vergangenheit (Öllaternen, Nachtwächter, Höllenqualen des finsteren Mittelalters) und Ankunft der Moderne (Herold der Neuzeit und des Lichts mit dem Sonnenbanner).

In den Feierlichkeiten kommt die ganze Emphase des neuen Zeitalters zur Geltung, das wenig später in den Brennerbahnbau und die Stadterweiterungen von Sebastian Altmann mündete.

Besonders sinnfällig: Die Feier dieses "Es werde Licht"-Tages fiel mit dem 11. November nicht nur auf den traditionellen Martinstag, dessen katholisch-klerikale Bedeutung im aufklärerisch-liberalen Geist umgedeutet werden konnte; es war nämlich auch der Geburtstag Friedrich Schillers, des patriotischen deutschen Dichters schlechthin.

Schiller war für das nationalliberal-deutschnationale Bürgertum (auch Bozens) eine wichtige Identifikationsfigur (mehr noch als Goethe)!

Das 1889 errichtete Waltherdenkmal lebte auch aus diesem nationalrhetorisch aufgeladenen Geist, ebenso spielte aber auch das Freiheitsdenken Schillers eine große Rolle.

Die Proteste der katholischen Kreise Tirols folgten auf den Fuß, doch markierte der selbstbewusst inszenierte Tag den Beginn einer stadtbürgerlichen Gründerzeit, die sich aus den Traditionsfesseln zusehends löste und einer pluralen Öffentlichkeit den Weg ebnete.

 

 

(ar)

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Einladung zur Vorfeier (Bild: , 41 Kilobyte, 366 x 321 pixel)

Einladung zur Vorfeier

Bürgermeister Joseph Streiter (Bild: , 131 Kilobyte, 1530 x 1044 pixel)

Bürgermeister Joseph Streiter

Joseph-Streiter-Porträt im Gemeinderatssaal (Bild: , 603 Kilobyte, 2896 x 1944 pixel)

Joseph-Streiter-Porträt im Gemeinderatssaal

 
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