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Pressemitteilung: 28.06.2017 12:31
Themenbereich:  [Kultur]  [Sonstiges] 

Exponat des Monats im Stadtarchiv Bozen - Juli 2017

Exponat des Monats im Stadtarchiv  (Bild: jpg, 73 Kilobyte, 406 x 561 pixel)

Exponat des Monats im Stadtarchiv

 
Gesetz und Herrschaft – Tirols Landesordnung von 1573/1603

Ein kommunales Archiv ist stets auch auf das Mäzenatentum von großherzigen Gönnern und Hommes des lettres angewiesen. Auf solche Munifizenz geht auch die Schenkung einer originalen Tiroler Landesordnung durch RA Dr. Arnaldo Loner (Bozen) zurück. Im Dezember 2016 übergab er dem Stadtarchiv aus seinem Privatbesitz das im Jahr 1603 zu Innsbruck bei Daniel Paur gedruckte, gut erhaltene Exemplar der New Reformierten Landts=Ordnung der Fürstlichen Grafschafft Tyrol, wie die auß Landts=Fürstlichem Befelch im 1603. Jahr vmbgedruckt worden.
Es handelt sich um einen von drei Drucken (mit leichten Varianten) der bereits 1573 von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol erlassenen und 1603 gedruckten Landts=Ordnung und kürzeren Policey=Ordnung. Beide waren die zentralen Leitkategorien und -normen des frühmodernen Gesetzgebungstaates, der auch in Tirol seit dem 16. und 17. Jahrhundert immer stärker auf die Verrechtlichung, Uniformierung und Disziplinierung der Untertanenverbände abstellte und dies mit erhöhter Normenproduktion verband.
Der Titelholzschnitt zeigt den Souverän selbst, der seine Rolle als Rechtsgeber, ausgestattet mit den entsprechen-den Herrschaftsinsignien sowie göttlicher Legitimation (dei gratia), auch symbolisch visualisieren ließ.
Das Landesrecht von 1573 setzte ältere Kodifikationen, insbesondere die 1526 und 1532 erlassenen Ordnungen, fort. Die neun Bücher der Gesetzessammlung regeln Materien aus dem öffentlich- und privatrechtlichen Bereich sowie handels- und zoll-, straf- und prozessrechtliche Belange und sind durch ein ausführliches Register sachthematisch erschlossen.
Die knapper gefasste, auf insgesamt "29 Blat" ausformulierte Polizeyordnung (Ordnung und Reformation gueter Policey) des Anhangs ist vorwiegend verwaltungsrechtlich angelegt. Im Kern zielte sie auf die "gute Ordnung des Gemeinwesens" ab und war damit zentrales Instrument der habsburgischen Herrschaft im territorialen Verband der Tiroler Grafschaft.
Vorbesitzer des wertvollen Druckes war ein Exponent der tirolischen Adelsfamilie von Enzenberg (zum Freien- und Jöchlsthurn), wie dessen eingestempeltes und handschriftlich ergänztes Exlibris zu erkennen gibt.

(mp)

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