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Pressemitteilung: 11.06.2012 09:25
Themenbereich:  [Kultur] 

Festakt und Medientermin: Martin-Niemöller-Friedenstaube 2012 wird dem Stadtarchiv Bozen verliehen (14/06/2012, 10 Uhr)

Die Friedenstaube (Bild: , 18 Kilobyte, 305 x 366 pixel)

Die Friedenstaube

 
Feierliche Übergabe dieser Auszeichnung für friedensstiftende und völkerverständigende Aufarbeitung von Faschismus und Nationalsozialismus

Das Bozner Stadtarchiv darf am 14. Juni um 10 Uhr im Alten Rathaus (Lauben 30) eine renommierte Auszeichnung entgegennehmen, die Martin-Niemöller-Friedenstaube.

Sie wird dem Stadtarchiv Bozen, seinem Direktor Hannes Obermair und dessen Team, für die friedensstiftende und völkerverständigende Aufarbeitung von Faschismus und Nationalsozialismus verliehen. Der Preis wird von Jahr zu Jahr weitergereicht.

Der Künstler Richard Hillinger hat 30 bronzene Friedenstauben im Gedenken an den Theologen Martin Niemöller (1892-1984) gestaltet. Diese werden seit Jahren an Menschen weitergereicht, die sich für den Frieden einsetzen. Niemöller war aufgrund seines Widerstandes gegen das NS-Regime ab 1937 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau inhaftiert und wurde im April 1945 in Südtirol befreit.

Beim Festakt dabei: Kulturstadträtin Patrizia Trincanato, Hans-Günter Richardi (Leiter des Zeitgeschichtsarchivs Pragser Wildsee), Hermann Rogger (stv. Leiter der Mittelschule Toblach), Pastor Marcus Friedrich (Evangelische Gemeinde Bozen-Gries), Hannes Obermair (Leiter des Stadtarchivs Bozen) und SchülerInnen der Mittelschule Toblach.

 

INFORMATIONEN

Der Weg der Friedenstaube bisher:
Der Preis ging 2010 von der Gedenkstätte Dachau aus (Evangelische Versöhnungskirche) und wurde von dort an das Zeitgeschichtsarchiv Pragser Wildsee (Caroline Heiss und Hans-Günter Richardi) weiterverliehen. Von hier gelangte der Preis 2011 an die Mittelschule Toblach (Hermann Rogger), wo die Kinder verschiedener Klassen eine mehrjährige Friedensarbeit vorantreiben. Dieser letzte Preisträger hat nun beschlossen, die Auszeichnung an das Stadtarchiv Bozen unter der Leitung von Hannes Obermair für dessen friedensstiftende und völkerverständigende Aufarbeitung von Faschismus und Nationalsozialismus weiterzureichen; das Stadtarchiv darf seinerseits in Zukunft den künftigen Preisträger bestimmen.

Die friedensstiftende Tätigkeit des Stadtarchivs:
Für das Stadtarchiv ist die Verleihung der Friedenstaube eine hohe Auszeichnung. Sie gilt der kontinuierlichen Erinnerungsarbeit, die das Archiv in den letzten Jahren den dunklen Abschnitten der jüngeren Bozner und Südtiroler Zeitgeschichte gewidmet hat, und zwar auf mehreren Ebenen, etwa wissenschaftlich-publizistisch (Bücher, Konferenzen, Tagungen), durch Führungen im Stadtraum (Themenrouten) oder durch Eingriffe im öffentlichen Raum (Gedenkstätten und Straßen- und Platzbenennungen für den antifaschistischen Widerstand). Zentrale Themen dieser Bemühungen waren bislang:
1) Das Holocaust-Gedenken an die Opfer des ehem. NS-Lagers in Bozen, deren Erinnerung durch die nunmehr drei Gedenkstätten in Bozen wachgehalten wird, zu denen sich jüngst sehr ausführliche Schautafeln in der Reschenstraße in der "Passage der Erinnerung" gesellt haben.
2) Das Massaker vom 12. September 1944, als die SS in Oberau 23 Häftlinge des Bozner Lagers brutal ermordete.
3) Die faschistischen "Rassegesetze" von 1938/39, die die brutale Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung nach sich zogen und den Nazis und ihrem Mordprogramm in die Hände arbeiteten.
4) Das Gedenken an Franz Innerhofer, das erste Opfer faschistischer Gewalt in Bozen (24. April 1921).

Diese Initiativen orientieren sich am Konzept "Bozen: Stadt der zwei Diktaturen" (siehe http://www.gemeinde.bozen.it/cultura_context.jsp?ID_LINK=976&page=5&area=48&id_context=14987), also der Aufarbeitung einer doppelten Diktaturerfahrung, die besonders hellhörig machen sollte für Themen von Krieg und Frieden, von aktuellem Nationalismus und Rassismus, wobei hier immer auch die Besonderheiten national divergierender Erinnerungskulturen vor große Herausforderungen stellen. Dies wird etwa beim jetzt anstehenden Ausstellungsparcours im Bozner Siegesdenkmal deutlich, das sich besonders komplexen und schwierigen Kapiteln der Stadt- und Landesgeschichte zuwendet.


Die Martin-Niemöller-Friedenstaube

Die Martin-Niemöller-Friedenstaube ist eine von 30 bronzenen Friedenstauben mit Ölzweig des deutschen Künstlers Richard Hillinger. Der Theologe und Pastor Martin Niemöller (1892-1984) wurde aufgrund seines Widerstandes gegen das NS-Regime ab 1937 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau inhaftiert und wurde im April 1945 in Südtirol befreit, wohin ihn die SS mit anderen prominenten Geiseln in den letzten Kriegstagen verschleppt hatte. Das von ihm im Oktober 1945 initiierte "Stuttgarter Schuldbekenntnis" hat in mutiger Weise die Mitschuld evangelischer Christen und insgesamt der Zivilgesellschaft an den Verbrechen des Nationalsozialismus thematisiert.
Die zum Gedenken an Pastor Niemöller gestalteten Tauben stehen für die 30 Artikel der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und werden seit Jahren in einem symbolischen Akt weitergereicht. Unter anderem haben Nelson Mandela, der Dalai Lama und weitere Friedensnobelpreisträger eine solche Taube in ihren Händen gehalten und Menschen überreicht, die sich für den Frieden in aller Welt einsetzen.

 

(rm)
 
Niemöller Briefmarke (Bild: , 15 Kilobyte, 232 x 190 pixel)

Niemöller Briefmarke

 
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