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Pressemitteilung: 05.09.2011 12:23
Themenbereich:  [Kultur]  [Veranstaltungen]  [Sonstiges] 

23 Opfer eines NS-Massakers in Bozen: Geheimnisse lüften

Vorstellung der historischen Details im Rathaus (Bild: , 2,469 Kilobyte, 2896 x 1944 pixel)

Vorstellung der historischen Details im Rathaus

 
Buchvorstellung und Gedenkfeier am 12. September

Die jungen Männer waren allesamt italienische Soldaten, im Einsatz für die Geheimdienste der Alliierten und mit einer Aufgabe: den Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus in Italien zu stärken und zu koordineren. Ihre Ausbildung als Geheimagenten der Untergrundorganisation hatten sie alle in Apulien genossen, wo in Brindisi die amerikanischen und britischen Geheimdienste einen Sitz hatten und mit der Regierung Badoglio zusammenarbeiteten. Gemeinsam hatten sie ihre Gefangennahme in Verona und ihre Deportation nach Bozen. Am 12. September 1944 wurden sie auf dem Geländer der damaligen Mignone-Kaserne durch ein Exekutionskommando der Gestapo ermordet. Die Opfer waren einige Tage lang im Durchgangslager in der Reschenstraße interniert. Sie stammten aus ganz Italien und waren zum Großteil Soldaten gewesen.

Jahrzehntelang blieben diese Opfer vergessen. Der Forschungsarbeit des Bozner Stadtarchivs ist es zu verdanken, dass nun seit 2004 Jahr für Jahr dieser jungen Männer gedacht wird, und dass man heute mehr über sie und das Blutbad weiß, dem sie zum Opfer fielen. Nachzulesen sind die Details nun in einer neuen Publikation unter dem Titel "23. Ein Massaker in Bozen", verfasst von der Historikerin Carla Giacomozzi (Stadtarchiv) und erschienen in der Reihe "Hefte zur Bozner Stadtgeschichte Nr. 4".

Diese Details wurden heute im Rahmen einer Pressekonferenz im Rathaus von der Historikerin Giacomozzi, Kulturstadträtin Patrizia Trincanato und dem Direktor des Stadtarchivs Hannes Obermair vorgestellt. Trincanato sprach eingangs davon, dass historische Momente wie diese zu vergessen einem Verrat gleichkommt und die Stadt sich verpflichte, die Erinnerung immer wieder wachzuhalten - diesmal mit einer Publikation, einer Namensgebung und Gedächtnisfeier. Obermair beteuerte die Bedeutung dieses institutionellen Versuchs, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und Licht in eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte zu werfen. Großes Lob wurde von allen auf die engagierte Arbeit der Stadthistorikerin Carla Giacomozzi ausgesprochen, die sich seit 2004 u.a. um dieses historische Ereignis kümmert und minutiöse Nachforschungen betrieben hat. Sie selbst unterstrich, dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen ist, weil es immer noch Leerstellen und Geheimnisse zu lüften gibt. Auch sei das Buch nur eine Etappe im Dokumentations- und Erinnerungsparcours der Stadtverwaltung. Ausgegangen ist Giacomozzi einzig vom Grabstein im Militärfriedhof Oberau mit den Namen der Opfern und von einer Radiosendung von Don Daniele Longhi aus dem Jahr 1945, die dieses Massaker mit wenigen Details erwähnte (siehe Web). Die meisten Informationen reihte sie nach und nach von den Melderegistern und später von den Aussagen der 12 (von 23) Familien aneinander. Daraus und vom Verbleib der 23 Toten zuerst in einem geheim gehaltenen Massengrab, dann (von den Alliierten exhumiert) im Friedhof in Oberau und seit 1950 im Militärfriedhof in St. Jakob, gewann sie Einsichten, die nun in die Publikation einflossen. Tatsache ist, das Blutbad war keine Strafaktion, sondern eine von der Gestapo lang geplante Vernichtungsaktion wie es andere auch waren (z.B. Fossoli im Juli 1944 mit der Ermordung von 67 Männern). Giacomozzi hofft, dass ihre Nachforschungen ein Ausgangspunkt für andere Arbeiten in der Aufarbeitung der Geschichte des Widerstands und der NS- und faschistischen Greuel sein wird.

Das Buch wird anlässlich der Gedenkfeier am heurigen 12. September um 9 Uhr im Kulturzentrum des Stadtviertels Oberau-Haslach der Öffentlichkeit vorgestellt (A.-Nikoletti-Platz, 4). An der Gedenkfeier im Anschluss um 11.30 Uhr nehmen einige Kinder und Enkelkinder der Opfer teil und werden erstmals auch Zeugnis ablegen über ihre Erinnerungen. Die Gedenkfeier beginnt mit der öffentlichen Benennung des Kreisverkehrs in der Parkstraße nach dem Massaker. Geplant ist eine Kranzniederlegung und eine kurze Ansprache. Alle sind eingeladen, an der Buchvorstellung und an der Gedenkfeier teilzunehmen.

(ar)
 
Die Protagonisten: Obermair (Stadtarchiv), Silvia Spada (Amt für Kulturgüter), Giacomozzi (Expertin Stadtarchiv), Kulturstadträtin Trincanato  (Bild: , 2,539 Kilobyte, 2896 x 1944 pixel)

Die Protagonisten: Obermair (Stadtarchiv), Silvia Spada (Amt für Kulturgüter), Giacomozzi (Expertin Stadtarchiv), Kulturstadträtin Trincanato

Die Gedenktafel der Stadt Bozen an Ort und Stelle (Bild: , 101 Kilobyte, 386 x 307 pixel)

Die Gedenktafel der Stadt Bozen an Ort und Stelle

Das Buchcover (Bild: , 127 Kilobyte, 1057 x 735 pixel)

Das Buchcover

 
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