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Pressemitteilung: 12.01.2010 16:10
Themenbereich:  [Kultur]  [Veranstaltungen]  [Gemeindepolitik] 

Faschismus an den Grenzen: Tagung am 15.1.

Vorstellung der Tagung im Stadtratssal (Bild: jpg, 1,365 Kilobyte, 2256 x 1496 pixel)

Vorstellung der Tagung im Stadtratssal

 
Stadtarchiv arbeitet an „Masterplan der Erinnerungskultur“

Heute Nachmittag wurde im Rathaus die Geschichtstagung "Faschismus an den Grenzen - Il fascismo di confine" vorgestellt, eine Initiative des Kulturassessorats der Stadt Bozen, mit ihrer Einrichtung Stadtarchiv, und der Arbeitsgruppe Geschichte und Region. Die Tagung bereitet zeitlich und inhaltlich das Terrain für die Bozner "Woche des Gedenkens", die sich um den 27. Jänner mit der Erinnerung an den Holocaust beschäftigt.

Kulturstadtrat Primo Schönsberg wies auf die wertvolle Arbeit des Stadtarchivs für die kollektive Erinnerung der Bozner BürgerInnen hin und auf die Zusammenarbeit mit den lokalen HistorikerInnen und den Kulturvereinen. Die Tatsache, dass Bozen eine der wenigen Städte Europas mit einem gelebten multiethnischen Hintergrund ist, deutet auf eine komplexe, sehr dichte historische Entwicklung hin, mit einem historischen Erbe, das es zu durchleuchten gelte. Bürgermeister Luigi Spagnolli unterstrich, wie stark Vergangenes und die Erinnerung an diese Vergangenheit mit Emotionen behaftet sei und damit sich für Polarisierungen und auch Instrumentalisierungen anbiete. Nur eine ernsthafte Vertiefung, eine Beschäftigung mit der eigenen und der kollektiven Vergangenheit führe zu einer Bewältigung alter Denkmuster, die einem Zusammenleben schaden. Ziel dieser historischen und kulturgeschichtlichen Auseinandersetzung sei eine "geteilte Wahrheit", wie auch der Historiker und Leiter des Bozner Stadtarchivs Hannes Obermair betonte. Das Stadtarchiv bemühe sich seit Jahren um eine Erinnerungskultur, und Initiativen wie die genannte Tagung seien Mosaiksteine dieser Kleinarbeit. Die Erarbeitung eines "Masterplans der Erinnerungskultur" sei eine wesentliche Aufgabe der Stadtverwaltung, die damit ein kulturelles Zuhause für alle BoznerInnen schaffe.

Die Arbeitsgruppe Geschichte und Region vertraten Andrea Bonoldi, ihr Präsident, und Giorgio Mezzalira (im Foto ganz links). Die beiden zeigten auf, wie einerseits die Politik und andererseits die Geschichtsschreibung als Wissenschaft interagieren, auch dass eine langjährige Zusammenarbeit dieser Partner für das friedliche Zusammenleben wesentlich sei, weil sie neue Sichtweisen und Sensibilitäten ermöglichten. Für eine Abkehr vom "kulturellen Autismus" sprachen sich alle aus, nur eine intensive Beschäftigung mit den verschiedenen Sichtweisen und Zugängen sei zielführend. Darum auch diese Art der Veranstaltung, die verschiedene "Faschismen" aufzeigt: Untersucht man den Faschismus an der nördlichen und östlichen Grenze Italiens, so gewährt der vergleichende Zugang neue Einblicke in die totalitären Herrschaftsstrategien in den drei Grenzregionen Südtirol, Frial-Julisch Venetien und Aosta. Die ReferentInnen beschäftigen sich mit eben diesen Zonen und ihren Besonderheiten: Anna Maria Vinci (Trieste), Tullio Omezzoli (Aosta) und Stefan Lechner (Bruneck).

Die öffentliche Tagung mit Abschlussdiskussion findet am kommenden Freitag mit Beginn um 18 Uhr im Rathaus statt. Zuvor wird ab 14.30 Uhr ein Seminar für Fachleute und HistorikerInnen abgehalten. Termin der Tagung "Faschismus an den Grenzen": Freitag, 15. Jänner im Festsaal der Stadt Bozen. Beginn um 18 Uhr, Diskussion um ca. 20 Uhr.

Nähere Infos: Stadtarchiv, Altes Rathaus in der Laubengasse 30, Tel. 0471 997457

(ar)

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Ziel: gemeinsame Erinnerungskultur gründen (Bild: jpg, 1,691 Kilobyte, 2256 x 1496 pixel)

Ziel: gemeinsame Erinnerungskultur gründen

 
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