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Pressemitteilung: 03.09.2009 16:41
Themenbereich:  [Kultur]  [Veranstaltungen] 

66 Jahre danach: Vortragsabend des Stadtarchivs zum 8. September 1943

Die nationalsozialistische Weltordnung: das Bozner Durchgangslager brachte vom Sommer 1944 bis zur Befreiung im Mai 1945 Leid und Tod für tausende Menschen (Bild: jpg, 1,569 Kilobyte, 2116 x 1512 pixel)

Die nationalsozialistische Weltordnung: das Bozner Durchgangslager brachte vom Sommer 1944 bis zur Befreiung im Mai 1945 Leid und Tod für tausende Menschen

 
Montag, 7. September 17.30 Uhr Altes Rathaus, Lauben 30, 2. Stock

Die Ereignisse vom 8. September 1943 - Okkupation Italiens durch die Deutsche Wehrmacht infolge des italienischen Austritts aus dem Kriegsbündnis mit Hitler und Eingliederung Südtirols in die Operationszone Alpenvorland - sind ein Markstein der regionalen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Die beiden Historiker Leopold Steurer (Meran) und Andrea Di Michele (Bozen) werden in Kurzreferaten die Ereignisse aufarbeiten und mit Hilfe von Bildquellen erläutern. Beide Zeitgeschichtler haben in zahlreichen Publikationen grundlegende Forschungsergebnisse zur Geschichte des 20. Jahrhunderts in Südtirol vorgelegt. Die Moderation übernimmt Hannes Obermair, Leiter des Stadtarchivs.

Wo: Bozen, Altes Rathaus, Lauben 30, 2. Stock
Wann: Montag, 7. September , 17.30, ca 1,5 h

Die Wahrnehmung des 8. September 1943, wiewohl aus historischer Sicht eindeutig, ist in Südtirol immer noch durch ambivalente Einschätzungen geprägt: Viele Südtiroler und Südtirolerinnen erblickten in diesem Ereignis die endgültige Befreiung vom italienischen Faschismus und gaben sich unkritisch der Illusion einer Angliederung an das Deutsche Reich, aber auch eines Stopps der unseligen Umsiedlungen hin. Für viele hingegen begann eine Zeit der Angst und Verfolgung. Die sog. Dableiber, aber auch Teile des Klerus waren nun schutzlos der politischen Abrechung durch einheimische und reichsdeutsche Nazis ausgeliefert. Die Entrechtung der jüdischen Mitbürger wurde weiter radikalisiert und hin zu Deportation und Mord gesteigert.
Der deutsche Einmarsch war auch ein tief sitzender Schock für die in Südtirol lebenden Italiener und Italienerinnen, die nun urplötzlich alle bisherigen politischen Bezugspunkte verloren. Die italienischen Heeresangehörigen gingen in deutscher Gefangenschaft einem besonders ungewissen und harten Schicksal entgegen.
Das Land wurde nun endgültig in den totalen Krieg hineingezogen: Die Bevölkerung sah sich den Bombardements der Städte an der Brennerlinie ausgesetzt; Wehrmachtsangehörige waren in einen Unrechtskrieg verstrickt, sofern sie nicht ihr Leben und das ihrer Angehörigen durch Desertion oder Widerstand aufs Spiel setzen wollten.
Mit dem Durchgangslager in der Bozner Reschenstraße, dem Sondergericht Bozen und einem kapillaren Spitzelwesen richtete die NS-Verwaltung einen umfassenden Terrorapparat ein, der durchaus die tätige Mithilfe der Südtiroler fand.
Nur wenige Menschen lehnten sich gegen das Regime auf. Der demokratische Neubeginn in Südtirol nach 1945 ist auch diesen mutigen Frauen und Männern - man denke nur an Hans Egarter, Manlio Longon und Josef Mayr-Nusser - zu verdanken.


 

(mp)
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