Seite empfehlen  Ihr Kommentar  Seite drucken

Städtischer Friedhof in Oberau

1923 beschloss die Stadtgemeinde Bozen, einen neuen Friedhof in Oberau zu errichten, und zwar direkt angrenzend an den bereits bestehenden jüdischen und evangelischen Friedhof.

Städtischer Friedhof in Oberau (Bild: jpg, 958 Kilobyte, 2676 x 1836 pixel)

Der Eingang zum Städtischen Friedhof

 

Pfarrhofstraße 7
Tel. 0471 280231

Öffnungszeiten

Das Stadtbauamt arbeitete im Jahr 1924 unter der Leitung des Architekten Gustav Nolte (1877-1924) ein erstes Projekt aus, das drei Jahre später von den Gemeindetechnikern abgeändert wurde. Nach der ersten Bauphase der Jahre 1928-1930 präsentierte sich der neue Friedhof in folgender Form: Er bestand aus einem Eingangsbereich (im Westen) mit einem dreibogigen zentralen Portikus und seitlichen Flügeln; einer 12 Meter hohen Einsegnungskapelle (im Osten), in der Form eines Zentralbaus errichtet und von einem Vierungsturm überragt; einem halbkreisförmigen Gebäude (im Osten) mit Portikus und seitlichen Flügeln; zwei Monumentalzonen (einer großen und einer kleinen) und verschiedenen Bestattungsbereichen. Im Jahr 1933 wurden im Norden sieben von Marius Amonn und August Fingerle geplante Arkaden hinzugefügt, um dort die Gräber der Ordens- und Weltgeistlichen zu beherbergen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof gegen Süden und Osten hin erweitert. 1998/99 erbaute man auf Grundlage des Projekts von Architekt Renzo Gennaro das Krematorium mit zwei Öfen, das im Jahr 2000 eingeweiht wurde. Angrenzend an das Krematorium wurde schließlich ein Trauersaal errichtet, der im Falle von Einäscherungen für Trauerfeiern sowohl katholischen Glaubens als auch für Laien oder andere nichtkatholische Totenmessen genutzt wird.

Einsegnungskapelle

Die von Gustav Nolte geplante Kapelle ist an ihren äußeren Wänden mit Skulpturen von Ignaz Gabloner (1887-1964) versehen. Es sind oberhalb des Portals ein Christus inmitten betender Engel und am Fuße des Vierungsturms die Zwölf Apostel. An den Innenwänden der Kapelle befinden sich Wandmalereien von Ignaz Stolz (1868-1953), die um 1929/30 ausgeführt wurden und den Auferstandenen Christus sowie Musizierende Engel abbilden, ebenso befindet sich hier ein im Jahr 1936 ausgeführtes Holznussrelief von Hans Piffrader (1888-1950) mit der Grablegung.

Arkaden der Geistlichen

In der Hauptarkade, der sogenannten Gruftkapelle, befindet sich ein steinerner Altar mit einem von Peter Sellemond geschnitzten Kreuz oberhalb der Mensa.
In der ersten, den Eucharistinern zugeteilten Nische (von links), befindet sich eine Lünette mit einem von Hugo Atzwanger (1883-1960) gemalten Fresko mit der Anbetung des Kindes durch die Hl. Drei Könige. In der zweiten, für die Franziskaner bestimmten Nische wird eine von Franz Santifaller (1894-1953) geschnitzte Holzstatue des Hl. Franziskus von Assisi aufbewahrt. Die dritte, für die Weltgeistlichen bestimmte Kapelle ist mit einer Wandmalerei von Ignaz Stolz, Jesus mit den Jüngern in Emmaus, verziert. Rechts von der Gruftkapelle öffnet sich eine weitere, für die Weltgeistlichen bestimmte Nische mit einer Lünette, die von Ignaz Stolz mit Fresken zum Thema Die Schlüsselübergabe an den Hl. Petrus bemalt ist. Die sechste Nische der Kapuziner umschließt eine von Ignaz Gabloner geschnitzte Holzskulptur des Hl. Antonius von Padua mit dem Jesuskind. In der letzten, den Barmherzigen Schwestern gewidmeten Arkade ist schließlich in der Lünette der Stifter des Ordens, der Hl. Vinzenz von Paul, abgebildet, ein Werk von Albert Stolz (1875-1947).

Familienkapellen

Unter den Familienkapellen sind im Besonderen hervorzuheben: die Kapelle Kößler mit einem aus dem Jahr 1828 stammenden Denkmal von Anton Rainalter, die Kapelle der Grafen von Toggenburg mit einem Denkmal von Franz Rainalter (circa 1850-90) sowie jene der Familie Amonn, die 1972 von Roland Veneri geplant und mit Bronzereliefs von Max Spielmann (1906-1984) ausgestattet wurde.

Gedenksteine und Grabdenkmäler

Im städtischen Friedhof, besonders in der "Großen" und "Kleinen Monumentalzone", sind von Anton und Franz Rainalter, Andreas Kompatscher, Ignaz Gabloner, Friedrich Gurschler (1923), Hans Plangger (1899-1971), Othmar Schrott-Vorst (1883-1963), Max Spielmann, Eraldo Fozzer, G. Kopp, Roberto Nicolussi, V. Prugger, E. Pedraschi, Caravatti, von Cainero, Maria Delago (1902-1979) und J. Freiberger angefertigte Gedenksteine und Grabdenkmäler erhalten. Gräber von besonderem historischem Wert sind das von Franz Ehrenhöfer im Jahre 1931 angefertigte Grabdenkmal für Ljubow Dostojewskaja (1869-1926), Aimèe genannt, die Tochter des russischen Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski, die im Pflegeheim "Grieserhof" in Gries verstarb; das Grab in Form eines Sarkophages (1936) von Giambattista Tonini (1882-1916), einem aus Valfloriana (Trient) stammenden Arbeiter und Soldaten der Landesschützen-Division, der von den Österreichern in der Nähe von Cembra im Jahr 1916 erschossen wurde, sowie das Grab von Manlio Longon (Padua 1911-Bozen 1944), Anführer der Widerstandsgruppe Comitato di Liberazione Nazionale in Bozen, der von den Nazis verhaftet und ermordet wurde. Des Weiteren sind die Grabsteine des Schriftstellers und liberalen Politikers Eduard Schmidt-Weissenfels (1833-1893) sowie des Wirtschaftsexperten und Juristen Carl Friedrich Hermann Roesler (1834-1894) von geschichtlicher Bedeutung.

(Auszug aus "Bozen. Wege zu den Friedhöfen und Grabstätten" - Historische Stätten und Objekte, Stadtarchiv der Stadtgemeinde Bozen)

Anlagen:

Zum Seitenanfang
Stadt Bozen - Gumergasse 7 - 39100 Bozen - Telefonzentrale: 0471 997111 – Steuernr./MwSt.: 00389240219 - PEC: bz@legalmail.it ::