PUMS - Nachhaltiger Mobilitätsplan

Der Stadtrat hat mit Beschluss Nr. 232 vom 15.Mai 2019 den nachhaltigen Mobilitätsplan und die dazugehörigen technischen Unterlagen sowie den Umweltbericht für die strategische Umweltprüfung verabschiedet.

6. Juni 2019: Informationsversammlung über den neuen nachhaltigen Mobilitätsplan

Der Beschluss wurde am 22. Mai 2019 auf der Digitalen Amtstafel veröffentlicht.

Der nachhaltige Mobilitätsplan (Sustainable Urban Mobility Plan - SUMP) ist ein strategisches Planungsinstrument, das auf der Grundlage europäischer und nationaler Richtlinien ( Ministerialdekret vom 4 August 2017) eine auf einen Zeitraum von 10 Jahren angelegte, mittel- bis langfristige und systematische Vision der urbanen Mobilitätsgestaltung enthält.

Wie die EU-Beobachtungsstelle für nachhaltige Mobilität (ELTIS) in ihren Leitlinien hervorhebt, "kann und soll [der nachhaltige Mobilitätsplan] auf bestehenden Konzepten und Methoden aufbauen und die Prinzipien der Integration, Partizipation und Evaluierung berücksichtigen." Diese Vorgabe trifft gerade auf Bozen in besonderem Maße zu, zumal sich die Stadt bereits vor Jahren der Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen verschrieben hat und bereits zahlreiche innovative Projekte in diesem Bereich umgesetzt hat, die das Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig und außerordentlich erfolgreich verändert haben. Heute gehört Bozen zu den Städten mit den meisten Fahrradbadbewegungen pro Einwohner/-in.

Seit dem 22.5.2019 ist der nachhaltige Mobilitätsplan öffentlich für alle einsehbar. Die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Vereine und andere Organisationen, haben bis 30. JULI Zeit, um beim Amt für Mobilität der Stadt Bozen ihre Stellungnahmen zum Mobilitätsplan einzureichen mittels zertifizierte E-Mail (PEC), ordentliche E-Mail, ordentliche oder eingeschriebene Post (siehe unten). Diese Stellungnahmen werden in der Folge von den zuständigen Fachstellen geprüft und beantwortet. Stellungnahmen, die den in den Leitlinien des Ministeriums enthaltenen allgemeinen und spezifischen Zielen entsprechen, werden - unter Berücksichtigung der zwischen Juni und Oktober 2018 von den Interessensvertretern, die am partizipativen Ausarbeitungsprozess teilgenommen haben, festgelegten Prioritätenskala - in den Mobilitätsplan aufgenommen. Anschließend wird der nachhaltige Mobilitätsplan vom Gemeinderat genehmigt.

Der nachhaltige Mobilitätsplan beinhaltet eine systematische Vision von urbaner Mobilität, die auch die Notwendigkeit einer ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die im nachhaltigen Mobilitätsplan festgeschriebenen Maßnahmen sollen die Effizienz und Wirksamkeit des gesamten Mobilitätssystems verbessern, auch durch eine Integration in die städtebaulichen und raumplanerischen Entwicklungen. Die nachfolgende Grafik gibt Aufschluss über die Gesamt- und Einzelziele des nachhaltigen Mobilitätsplans, aufgeteilt auf 4 Themenbereiche.

Die Ziele des nachhaltigen Mobilitätsplans PUMS (D.M. 4. August 2017)

Ausgangspunkt für die Entwicklung von Szenarien für eine nachhaltige Mobilität ist das Referenzszenario. Dieses umfasst all jene Infrastrukturmaßnahmen, die bereits in den Planungsinstrumenten (Mobilitätsplan 2010-2020 und strategisches Programm zum Ausbau der Bahn- und Straßenverbindungen des Landes Südtirol) und in der Grundsatzvereinbarung zwischen der Stadtgemeinde Bozen und der Landesverwaltung von September 2018 enthalten bzw. bereits finanziert sind (zweigleisiger Ausbau der Bahnlinie Bozen-Meran). Sie bilden den Bezugsrahmen für den nachhaltigen Mobilitätsplan und damit die Grundlage für die Entwicklung von Szenarien für eine nachhaltige Mobilität und für die Bewertung der Effizienz und Wirksamkeit der künftigen Maßnahmen im Verhältnis zu den festgelegten Zielen. Einige Projekte, darunter auch die Trambahnlinie 1 und die Entlastungsstraße für die Galileistraße (Siemens- und Grandistraße), wurden in den nachhaltigen Mobilitätsplan aufgenommen, obwohl bereits in bestehenden Planungsinstrumenten enthalten sind. Der Grund dafür ist, dass sie auf diese Weise den notwendigen Verkehrsbewertungsverfahren unterzogen werden können, die die Grundlage der Detailanalysen für die Ausarbeitung der technisch-wirtschaftlichen Machbarkeitsprojekte bilden.

Der nachhaltige Mobilitätsplan setzt vorrangig und vorwiegend auf eine Reduzierung des Individualverkehrs und der damit einhergehenden umweltschädlichen Emissionen. Heute macht der überörtliche Verkehr zwischen der Stadt und ihrem Umland, gemeinsam mit der Autobahnkomponente, über 50% des motorisierten Verkehrs in der Stadt aus. Um die Reduktionsziele zu erreichen, wird ein integrierter Ansatz verfolgt, der vorrangig in der Ergänzung und im Ausbau der Verbindungen zu den großen, überörtlichen Hauptverkehrstrecken - einschließlich der Autobahn - besteht.

Die Reduzierung des Verkehrs im innerstädtischen Bereich ist auch deshalb unerlässlich, weil dadurch auf den betroffenen Straßen, die auch das Hauptverkehrsnetz des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bilden, zusätzliche Kapazitäten für den ÖPNV geschaffen werden können. Zu diesem ÖPNV-Hauptverkehrsnetz gehört laut nachhaltigem Mobilitätsplan die Straßenbahnlinie 1 wie auch eine E-Metrobuslinie, die den Süden der Stadt mit dem Zentrum und dem Bahnhof verbindet und auf Höhe der Kreuzung Italienstraße/Freiheitsstraße auch nach Gries weitergeführt wird.

An den Hauptzufahrten zur Stadt (Sigmundskron, Messe Bozen, Seilbahn Jenesien, Anschlussstelle Kampill) sollen Umsteigeparkplätze mit einer Gesamtkapazität von rund 2000 Stellplätzen errichtet werden. Dort können Pendlerinnen und Pendler, die keine geeigneten Bus- oder Bahnverbindungen nach Bozen haben, auf den ÖPNV umsteigen, als Alternative zum Privatauto.

Darüber hinaus wird das städtische ÖPNV-Hauptstreckennetz an mehreren Stellen an das Schienennetz angebunden. Derzeit laufen bereits die Planungen für den Ausbau und die Umwandlung der lokalen Bahnstrecken, um eine bessere innerstädtische Verteilung der Verkehrsströme aus dem Umland zu gewährleisten und eine Konzentration der Verkehrsströme auf den Bahnhof Bozen, wie wir sie derzeit haben, zu vermeiden. In diesem Sinne werden neue Umsteigemöglichkeiten geschaffen, etwa am Mobilitätsknotenpunkt Sigmundskron (auf die Straßenbahnlinie 1), an der Haltestelle "Bozen Süd" (auf die E-Metrobuslinie) und an der neuen Haltestelle Schießstandplatz (ebenfalls auf die E-Metrobuslinie). Letztere werden eine bessere Anbindung des Gewerbegebiets Bozen Süd und der Romstraße gewährleisten.

Damit das Potenzial des ÖPNV-Hauptstreckennetzes noch besser genutzt werden kann, ist eine punktuelle Integration mit dem Radwegenetz und den (bereits finanzierten) Bike-Sharing-Stationen (100 Fahrräder) vorgesehen. Mit der Umsetzung des nachhaltigen Mobilitätsplans soll dieses Angebot weiterentwickelt werden und ein die Stadt überspannendes multimodales Netz entstehen.

In Bezug auf die Fahrrad- und Fußgängermobilität werden nicht nur die Radwege in den Stadtvierteln weiter ausgebaut, sondern auch abschließbare Fahrradabstellstationen vor öffentlichen Ämtern, Schulen, Universitätsgebäuden usw. errichtet, damit Mitarbeiter/-innen und Besucher/-innen, aber auch Personen, die kurze Streckenabschnitte innerhalb der Stadt zurücklegen, ihr Fahrrad - auch ihr E-Bike - sicher unterbringen können.

Die Neugestaltung des öffentlichen Raums und mehr Verkehrssicherheit - besonders für die schwächeren Verkehrsteilnehmer/-innen - sind zwei weitere Kernthemen des nachhaltigen Mobilitätsplans.

Der nachhaltige Mobilitätsplan enthält zudem allgemeine Grundsätze und Strategien für eine Neuorganisation des Individualverkehrs und damit auch der Parkgelegenheiten auf öffentlichen Straßen. Die praktische Umsetzung dieses Vorhabens erfolgt über den Allgemeinen Stadtverkehrsplan (StvP), der gemäß den Ministerialrichtlinien ein Umsetzungsplan des nachhaltigen Mobilitätsplans ist (die weiteren Umsetzungspläne sind der ÖPNV-Plan, der in Absprache mit der Landesverwaltung ausgearbeitet wird, der Radwegeplan und der urbane Logistikplan).

Mit Blick auf die Fußgängermobilität steht der Ausbau und die Sicherung der der Schulwege an erster Stelle der Prioritätenliste. In diesem Sinne sind sowohl infrastrukturelle Maßnahmen, als auch kurzzeitige Schließung von Straßen für den motorisierten Verkehr, der Ausbau des Pedibus-Angebotes und die Gestaltung von Schulprojekten zur nachhaltigen Mobilität vorgesehen.

Untersuchungen zum innerstädtischen Warenverkehr haben ergeben, dass die Stadt in erheblichem Maße vom LKW-Verkehr und vom gewerblichen Verkehr betroffen ist. Eine von der Stadtverwaltung eingerichtete Arbeitsgruppe mit den Branchenvertretern schlägt in diesem Zusammenhang zwei Interventionsstrategien mit unterschiedlichen Zeithorizonten vor:

  1. Ausarbeitung eines Plans für eine nachhaltige urbane Logistik mit dem Ziel, ein langfristiges Gesamtszenario für den innerstädtischen Warentransport und Lieferverkehr zu entwickeln, in den auch die unter Punkt 2 genannten Projekte mit einfließen
  2. Aufwertung der Arbeitsgruppe unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Freight Quality Partnership sowie Entwicklung und Umsetzung von gemeinsamen Pilotprojekten im Bereich der städtischen Warenlogistik

In Anbetracht der sehr hohen Anzahl an Berufspendlern, die in öffentlichen Einrichtungen und in Unternehmen mit Sitz in Bozen beschäftigt sind (ca. 22.000), greifen die entsprechenden rechtlichen Vorgaben zum Mobilitätsmanagement, etwa die Erstellung eines Plans über die Fahrten zum Arbeitsplatz, die Förderung der Gemeinschaftsmobilität und die Erhöhung der Verkehrsanteile von umweltverträglichen Verkehrsmitteln).

Zusammenfassend kann man sagen, dass es das Hauptanliegen des nachhaltigen Mobilitätsplans ist, ein System von Infrastruktur- und Serviceleistungen zu erschaffen, das von den Nutzerinnen und Nutzern als ein flexibles System wahrgenommen wird, das je nach persönlichem Bedarf unterschiedliche, individuell zugeschnittene Lösungen bereithält und in dem folglich auch die Mobilitätsinformation eine gewichtige Rolle spielt.

Verkehrsüberwachungssysteme, die auch die Grundlage für die Mobilitätsinformation bilden, geben Aufschluss darüber, inwieweit sich durch das Mobilitätsangebot die Schadstoffemissionen verringern lassen - ein Ziel des nachhaltigen Mobilitätsplans -, aber auch, ob Anpassungen in Hinblick auf die Nachfragesteuerung und -orientierung vorgenommen werden müssen. Diese Systeme können aber auch als technologisches Hilfsmittel für die Einführung eines City-Maut-Systems im Innenstadtbereich und in außerordentlichen Situation bzw. bei Nichterreichung der gesetzten Ziele eingesetzt werden. Die dadurch generierten Einnahmen werden im Einklang mit der geltenden Gesetzgebung für den Ausbau gemeinschaftlicher Verkehrssysteme verwendet.

(Seite am 27.5.2019 aktualisiert)

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