PUMS - Nachhaltiger Mobilitätsplan

Der Stadtrat hat mit Beschluss Nr. 406 vom 21. Juli 2021 den nachhaltigen Mobilitätsplan und die dazugehörigen technischen Unterlagen sowie den Umweltbericht für die strategische Umweltprüfung neu verabschiedet.

Der Beschluss wurde am 22. Juli 2021 auf der Digitalen Amtstafel veröffentlicht.

Seit dem 22.Juli 2021 ist der nachhaltige Mobilitätsplan öffentlich für alle einsehbar. Die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Vereine und andere Organisationen, haben bis 16. OKTOBER 2021 Zeit, um beim Amt für Mobilität der Stadt Bozen ihre Stellungnahmen zum Mobilitätsplan einzureichen mittels

Diese Stellungnahmen werden in der Folge von den zuständigen Fachstellen geprüft und beantwortet. Stellungnahmen, die den in den Leitlinien des Ministeriums enthaltenen allgemeinen und spezifischen Zielen entsprechen, werden - unter Berücksichtigung der von den Interessensvertretern, die am partizipativen Ausarbeitungsprozess teilgenommen haben, festgelegten Prioritätenskala - in den Mobilitätsplan aufgenommen. Anschließend wird der nachhaltige Mobilitätsplan vom Gemeinderat genehmigt.

Der nachhaltige Mobilitätsplan (Sustainable Urban Mobility Plan - SUMP) ist ein strategisches Planungsinstrument, das auf der Grundlage europäischer und nationaler Richtlinien ( Ministerialdekret vom 4. August 2017) eine auf einen Zeitraum von 10 Jahren angelegte, mittel- bis langfristige und systematische Vision der urbanen Mobilitätsgestaltung enthält.

Wie die EU-Beobachtungsstelle für nachhaltige Mobilität (ELTIS) in ihren Leitlinien hervorhebt, "kann und soll [der nachhaltige Mobilitätsplan] auf bestehenden Konzepten und Methoden aufbauen und die Prinzipien der Integration, Partizipation und Evaluierung berücksichtigen." Diese Vorgabe trifft gerade auf Bozen in besonderem Maße zu, zumal sich die Stadt bereits vor Jahren der Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen verschrieben hat und bereits zahlreiche innovative Projekte in diesem Bereich umgesetzt hat, die das Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig und außerordentlich erfolgreich verändert haben. Heute gehört Bozen zu den Städten mit den meisten Fahrradbadbewegungen pro Einwohner/-in.

Der nachhaltige Mobilitätsplan beinhaltet eine systematische Vision von urbaner Mobilität, die auch die Notwendigkeit einer ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die im nachhaltigen Mobilitätsplan festgeschriebenen Maßnahmen sollen die Effizienz und Wirksamkeit des gesamten Mobilitätssystems verbessern, auch durch eine Integration in die städtebaulichen und raumplanerischen Entwicklungen. Die nachfolgende Grafik gibt Aufschluss über die Gesamt- und Einzelziele des nachhaltigen Mobilitätsplans, aufgeteilt auf 4 Themenbereiche.

Warum ist es notwendig, den nachhaltigen Mobilitätsplan nach nur 2 Jahren in einigen Punkten radikal abzuändern? Weil sich in einer Welt, die sich mit Lichtgeschwindigkeit weiterentwickelt, auch für Bozen die Rahmenbedingungen rasant verändern. Es gilt daher folgende neue Faktoren zu berücksichtigen:

  1. Die Volksabstimmung über die Straßenbahn hat ein eindeutiges Ergebnis gebracht hat, das eine verantwortungsvolle Verwaltung nur zur Kenntnis nehmen kann. Anstelle der Straßenbahn werden künftig Metrobusse mit Elektromotor zum Einsatz kommen.
  2. In den kommenden 10 Jahren (dieser Zeitraum entspricht der Gültigkeit eines nachhaltigen Mobilitätsplans) wird mit den Arbeiten zur Umgestaltung des Bahnhofsareals begonnen, und wahrscheinlich befindet sich das Projekt bereits in der Baustellenphase.
  3. Die Nutzung der derzeitigen Strecke der Brennerautobahn als Nord-Süd-Umfahrung geht über den zeitlichen Horizont des nachhaltigen Mobilitätsplans hinaus und stellt eine langfristige Perspektive dar. Neue Szenarien für die Verbindung der ausserstädtischen Hauptverkehrswege müssen ausgearbeitet werden.
  4. Die Eintragung der Güterzugvariante als wichtige Infrastruktur ist für die Stadt Bozen von grundlegender Bedeutung, denn der neue geplante Bahnhof soll dem Personenschienenverkehr vorbehalten werden. Personen- und Warenverkehr am gleichen Schienenknotenpunkt abzuwickeln würde zu nicht tragbaren Verspätungen im gesamten Schienenverkehr führen.
  5. Anhand von Vereinbarungen mit Dritten sollen die vorhandenen, aber nicht immer optimal genutzten Parkflächen in Tiefgaragen effizienter - und in der Folge auch nachhaltiger -genutzt werden. Dadurch werden neue Flächen an der Oberfläche frei, die für das Fahrrad oder die Fußgänger genutzt werden können.
  6. In den nachhaltigen Mobilitätsplan wurden neue Fahrradwege eingetragen, an denen z.B. auch Rastplätze o.Ä. verwirklicht werden, um ihre Attraktivität zu steigern, wie z.B. der Radweg vom Weingartenweg zu den Grieser Auen /Krankenhaus.

Alle diese Faktoren ändern den nachhaltigen Mobilitätsplan in wichtigen Punkten, aber ohne die grundlegenden Aspekte zu verändern. Mit dem nachhaltigen Mobilitätsplan soll Bozen endlich die Mobilitätsplanung erhalten, die ihrer Rolle als Landeshauptstadt gerecht wird, da in Bozen alle Verkehrswege Südtirols zusammenlaufen. Bozen wird heute immer noch auf sein Gebiet reduziert und nur im Verhältnis zur Bevölkerung, zu den Pendlerzahlen und den ansässigen Unternehmen gesehen.

Ausgangspunkt für die Entwicklung von Szenarien für eine nachhaltige Mobilität ist das Referenzszenario. Dieses umfasst all jene Infrastrukturmaßnahmen, die bereits in den Planungsinstrumenten (Mobilitätsplan 2010-2020 und strategisches Programm zum Ausbau der Bahn- und Straßenverbindungen des Landes Südtirol) und in der Grundsatzvereinbarung zwischen der Stadtgemeinde Bozen und der Landesverwaltung von September 2018 enthalten sind. Sie bilden den Bezugsrahmen für den nachhaltigen Mobilitätsplan und damit die Grundlage für die Entwicklung von Szenarien für eine nachhaltige Mobilität und für die Bewertung der Effizienz und Wirksamkeit der künftigen Maßnahmen im Verhältnis zu den festgelegten Zielen.

Mit Hilfe der im nachhaltigen Mobilitätsplan enthaltenen Szenarien soll in erster Linie ein Rückgang des privaten Autoverkehrs zwischen der Landeshauptstadt und dem Umland und der damit einhergehenden Schadstoffemissionen erzielt werden. Hierfür wird nach einer integrierten Strategie verfahren, die auch den Ausbau der Anbindungen zu den außerstädtischen Hauptverbindungsstraßen, einschließlich der Autobahn, beinhaltet, damit das städtische Straßennetz vom Durchfahrtsverkehr - dem Fahrzeug- wie dem Schwerverkehr - entlastet werden kann.

Die Verringerung des Anteils dieser Verkehrskomponenten im innerstädtischen Straßennetz ist unverzichtbar, damit auf den ÖPNV-Hauptverkehrsachsen und auf den neuen Metrobus-Strecken, die das Stadtzentrum mit dem Krankenhaus und Sigmundskron bzw. den Bahnhof Bozen mit der Industriezone und der Stadt Leifers verbinden, Kapazitäten für den öffentlichen Personenverkehr frei werden.

An den Hauptlinien des ÖPNV wird es an mehreren Stellen Umsteigemöglichkeiten auf die Bahn geben, damit die Pendelströme aus dem bzw. in Richtung Umland auf mehrere Punkte im Stadtgebiet verteilt werden können und die derzeitige Konzentration auf den Bahnhof Bozen nachlässt. Geplante Umsteigeknoten sind, abgesehen vom Bahnhof Bozen: Sigmundskron, Bozen Süd Messe, neue Haltestelle St. Jakob und die Talstationen der Seilbahnen Jenesien und Kohlern.

Damit das Potenzial des ÖPNV-Hauptstreckennetzes noch besser genutzt werden kann, ist eine punktuelle Integration mit dem Radwegenetz und den Bike-Sharing-Stationen vorgesehen. Mit der Umsetzung des nachhaltigen Mobilitätsplans soll dieses Angebot weiterentwickelt werden und ein die Stadt überspannendes multimodales Netz entstehen.

In Bezug auf die Fahrrad- und Fußgängermobilität werden nicht nur die Radwege in den Stadtvierteln weiter ausgebaut, sondern auch abschließbare Fahrradabstellstationen vor öffentlichen Ämtern, Schulen, Universitätsgebäuden usw. errichtet, damit Mitarbeiter/-innen und Besucher/-innen, aber auch Personen, die kurze Streckenabschnitte innerhalb der Stadt zurücklegen, ihr Fahrrad - auch ihr E-Bike - sicher unterbringen können.

Die Neugestaltung des öffentlichen Raums und mehr Verkehrssicherheit - besonders für die schwächeren Verkehrsteilnehmer/-innen - sind zwei weitere Kernthemen des nachhaltigen Mobilitätsplans.

Der nachhaltige Mobilitätsplan enthält zudem allgemeine Grundsätze und Strategien für eine Neuorganisation des Individualverkehrs und damit auch der Parkgelegenheiten auf öffentlichen Straßen. Die praktische Umsetzung dieses Vorhabens erfolgt über den Allgemeinen Stadtverkehrsplan (StvP), der gemäß den Ministerialrichtlinien ein Umsetzungsplan des nachhaltigen Mobilitätsplans ist.

Mit Blick auf die Fußgängermobilität steht der Ausbau und die Sicherung der der Schulwege an erster Stelle der Prioritätenliste. In diesem Sinne sind sowohl infrastrukturelle Maßnahmen, als auch kurzzeitige Schließung von Straßen für den motorisierten Verkehr, der Ausbau des Pedibus-Angebotes und die Gestaltung von Schulprojekten zur nachhaltigen Mobilität vorgesehen.

Für den Bereich der städtischen Warenlogistik wurden allgemeine Strategien und Pilotprojekte definiert, die vielschichtige Lösungen für die Bedürfnisse der Produktions- und Handelsbetriebe sowie der Logistikbranche aufzeigen.

Durch die Installation von modernen Verkehrserhebungssystemen, die zusätzliche Verkehrsinformationen liefern, wird die Stadt in der Lage sein, die Kapazität des Mobilitätsangebots besser zu beurteilen und die Schadstoffemissionen zu senken - ein wesentliches Ziel des nachhaltigen Mobilitätsplans. Außerdem kann dadurch die Verkehrsnachfrage besser geleitet und gesteuert werden.