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Minderheitenbericht der Parlamentarischen Kommission zum sogenannten "Schrank der Schande"

Relazione di minoranza della Commissione Parlamentare di Inchiesta sulle cause dell'occultamento di fascicoli relativi a crimini nazifascisti. (Bild: jpg, 626 Kilobyte, 800 x 1130 pixel)

 

Dr. Guido Salvini, Vorerhebungsrichter zu Mailand, hat 2006 dem Stadtarchiv ein Exemplar der "Relazione di minoranza della Commissione Parlamentare di Inchiesta sulle cause dell'occultamento di fascicoli relativi a crimini nazifascisti" (Minderheitenbericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission über die Gründe für die Verschleierung von Faszikeln über nazi-faschistische Verbrechen) übergeben. Dieser Bericht wurde am 24. Januar 2006 von der Parlamentarischen Kommission vorgestellt.
Die Untersuchungskommission wurde mit dem Gesetz Nr. 107 vom 15. Mai 2003 eingesetzt. Daran haben 15 Abgeordnete und 15 Senatoren mitgewirkt, die vom Senatspräsidenten bzw. vom Präsidenten der Abgeordnetenkammer ernannt wurden.

Der Bericht liegt in der Bibliothek des Bozner Stadtarchivs, Lauben 30, zur Einsichtnahme auf (Medieneinheit Nr. 6879).

"SCHRANK DER SCHANDE": 1960 - 1994 

Die Kommission wurde eingesetzt, um aufzuklären, weshalb 695 Aktenbündel verschleiert wurden, die schwerwiegende Verbrechen betreffen, die die Nazi-Faschisten während des Zweiten Weltkrieges in Italien verübt hatten.
Die Unterschlagung der Akten hat u. a. dazu geführt, dass keinerlei Untersuchungen über die Tathergänge durchgeführt wurden, dass die Verantwortlichen nicht ausfindig gemacht werden konnten und dass keine strafrechtliche Verfolgung in die Wege geleitet wurde.

Im Jahr 1994 wurde im Palazzo Cesi, dem Sitz der Allgemeinen Militäranwaltschaft in Rom, der sogenannte "Schrank der Schande" aufgefunden. Er enthielt 695 Aktenbündel, die dort 1960 auf Beschluss des damaligen allgemeinen Militärstaatsanwaltes, Dr. Enrico Santacroce, "provisorisch archiviert" worden waren. Diese Archivierung dauerte 30 Jahre und wurde 1998 nach Abschluss der Untersuchungen des Militärgerichtsrates für vollkommen rechtswidrig erklärt.

Die Verschleierung aus dem Jahr 1960 widerspiegelt jedoch die politischen Entscheidungen jenes Zeitabschnittes. So wird beispielsweise in einem Briefwechsel aus dem Jahr 1956 zwischen dem damaligen Außenminister Martino und dem Verteidigungsminister Taviani behauptet, dass die Eröffnung von Prozessen gegen ehemalige deutsche Wehrmachtsbeamte zu Verstimmungen mit der Bundesrepublik - die gerade dabei war, NATO-Mitglied zu werden - hätte führen können. 

"SCHRANK DER SCHANDE": nach 1994

Nach der Auffindung der 695 verborgenen Aktenbündel hat die Allgemeine Militäranwaltschaft in Rom diese an die gebietsmäßig zuständigen Militäranwaltschaften weitergeleitet. Diese haben Untersuchungen aufgenommen und folgende Verfahren eröffnet: 

  • Verfahren gegen Theodor Emil Saevecke in Turin wegen des Massakers von Piazzale Loreto in Mailand; 
  • Verfahren gegen Friedrich Siegfried Engel in Turin wegen des Massakers am Passo del Turchino und weiterer Blutbäder in Ligurien; 
  • Verfahren gegen Michael Seifert in Verona wegen der Morde im Lager von Bozen;
  • Verfahren gegen 10 Mitglieder der SS in La Spezia wegen des Blutbades in S. Anna di Stazzema;
  • Verfahren gegen Wolfgang Lehnigk Emden und Kurt Schuster in S. Maria Capua Vetere wegen des Massakers in Caiazzo;
  • Verfahren gegen Hermann Langer in Rom wegen des Massakers in Certosa di Farneta.

Die Militäranwaltschaft von La Spezia führte außerdem Untersuchungen durch, um weitere Verfahren einzuleiten, darunter einen Prozess gegen weitere mutmaßliche Verantwortliche für das Blutbad in Marzabotto.

Die Stadt Bozen ist beim Prozess der Militäranwaltschaft von Verona gegen den SS-Angehörigen Michael Seifert als Zivilkläger aufgetreten. Seifert wurde in Abwesenheit wegen 11-fachen Mordes im Lager Bozen verurteilt (November 2000).

Rolle des Stadtarchivs Bozen

Die Untersuchungen der Militäranwaltschaft Verona waren auch dank der Mithilfe des Bozner Stadtarchivs möglich, das die umfangreichen Unterlagen zur Verfügung gestellt hat, die im Rahmen des viele Jahre dauernden Projekts "Geschichte und Erinnerung: das Bozner NS-Lager" zusammengetragen wurden.

Das Stadtarchiv hat außerdem mit Richter Salvini bei der Suche nach Beweisen zum Mord an 23 Männern, der am 12. September 1944 in Bozen verübt wurde, zusammengearbeitet.

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