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Für die Kunst. Ausstellung zur Erinnerung an Nicolò Rasmo (1909-1986)

6. Dezember 2006 bis 25. Februar 2007 - Bozen, Stadtgalerie (Dominikanerplatz 18)

Pietro Annigoni, Porträt von Nicolò Rasmo (Bild: jpg, 58 Kilobyte, 484 x 565 pixel)

Pietro Annigoni, Porträt von Nicolò Rasmo, Bleistift auf Papier, 1932, Privatsammlung

 

"Für die Kunst": eine Ausstellung zum Leben von Nicolò Rasmo

Nicolò Rasmo ist am 5. Dezember 1986 im Alter von 77 Jahren in Bozen gestorben. Ab 1939, dem Höhepunkt des faschistischen Regimes, war er Inspektor des Denkmalamts der Provinzen Trient und Bozen, dann dessen Leiter von 1960 bis 1971 und Konservator bis 1974. Er leitete das Museum im Schloss Buonconsiglio in Trient und bekleidete von 1940 bis 1981 auch das Amt eines Direktors des Bozner Stadtmuseums.

Warum eine Ausstellung zur Erinnerung an Nicolò Rasmo? Um den Personen, die ihn nicht kennen gelernt haben, Gelegenheit zur Begegnung mit diesem Mann zu geben, der sich selbst als "Liebhaber der bildenden Kunst und Denkmalpfleger aus Berufung" bezeichnete. Um es den Personen, die sich an ihn erinnern, zu erlauben, den Spuren eines Kunsthistorikers nachzugehen, der mit allen seinen Kräften versucht hat, Gemälde, Fresken, Kirchen und Portale zu retten, aber auch kleine kunsthandwerkliche Gegenstände wie Gewehre, Spangen und Ofenkacheln. Der Schutz und die Erhaltung des einheimischen Kunstbestands waren seine vorrangigen Ziele, die er um jeden Preis zu erreichen suchte, ohne Zugeständnisse und Kompromisse mit "gewissen Individuen, die die Politik mit der Wissenschaft verwechseln". Intelligenz, Kompetenz, Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit, Hartnäckigkeit, polemischer Geist und Selbstironie machten ihn zu einem bedeutenden Hauptakteur des Studiums und des Schutzes der einheimischen Kunst, aber auch zu einer unbequemen, da nicht gefügig-manipulierbaren Persönlichkeit.

Von den Freskenfragmenten, die Rasmo aus den Ruinen der Dominikanerkirche geborgen und mit einem Schubkarren ins Stadtmuseum geschafft hatte, zu den in der Kirche St. Magdalena in Prazöll (Rentsch) abgelösten Malereien, um die darunter gelegene Freskenschicht ans Tageslicht zu bringen, von der Rekonstruktion der romanischen Apsis der Kirche in Laas zu der der Krypta in der Stiftskirche Innichen, vom Kampf um die Rückführung der Sterzinger Tafeln zur Rettung des Gürtelblechs von Lothen (bei Issing): All dies sind Teilstücke eines Mosaiks, mit dem die gesamte Tätigkeit Rasmos an uns vorüberzieht, als greifbarer Beweis eines von umfassenden Kenntnissen und Kompetenzen getragenen, hartnäckigen und begeisterten Engagements.

Rasmo blieb - unter Verzicht auf eine zweifellos prestigeträchtigere und ehrenvollere Laufbahn anderswo - in Südtirol und im Trentino, um den Kunstbestand eines Landes zu untersuchen, das zu seiner Zeit als kunstgeschichtliches Randgebiet galt. Seine Studien sind bis heute noch unumgänglich für alle Personen, die sich mit der einheimischen Kunst beschäftigen wollen - was auch die im Jahr 2000 von der Stadt Bozen organisierte Trecento-Ausstellung und die darauf folgende Studientagung vom Oktober 2002 gezeigt haben. Sein "Rezept" war einfach, und es ist im ersten Leitartikel der im Jahr 1947 gegründeten Zeitschrift "Cultura atesina - Kultur des Etschlandes" enthalten: Erforschung der Originaldokumente und der Kunstwerke selbst unter Berücksichtigung der unterschiedlichsten Aspekte, ohne sich dabei von vorher Geschriebenem beeinflussen zu lassen.

Die Ausstellung "Für die Kunst. Nicolò Rasmo (1909-1986)", die von Silvia Spada, der ehemaligen Mitarbeiterin Rasmos, ausgerichtet worden ist, gliedert sich in vier Abteilungen: Leben, Tätigkeit als Kunsthistoriker, Wirken als Restaurator und Denkmalpfleger, Radiogespräche. In den ersten drei Abteilungen sind wertvolle Kunstwerke zu sehen, die Rasmo entdeckt, restauriert oder erworben hat, und dazu Aufzeichnungen, Bücher, Zeitschriften, Fotos und Briefe. In den Radiotalks dagegen werden dem Besucher fünf Kunstwerke von Nicolò Rasmo selbst erläutert. Wie das? Unter Rückgriff auf mehrere Rundfunksendungen, die vom RAI-Sender Bozen realisiert und zwischen 1975 und 1986 ausgestrahlt worden sind: Rasmo hatte sich dieses Mittels bedient, um sein Wissen und seine Liebe zur Kunst weiterzugeben.

Unter den interessanten und wertvollen Werken, die in der Ausstellung zu sehen sind, verdienen einige Arbeiten eine besondere Erwähnung: eine Holzplastik und ein Altarflügel von Michael Pacher aus der Zeit um 1470-1480, die Platte der Chorschranke aus der Kirche St. Benedikt in Mals (9. Jh.), das Selbstporträt von Antonio Longo (1770), das von Giovan Battista Lampi ausgeführte Porträt von Sophie de Witt (1791), das Porträt, das Pietro Annigoni im Jahr 1932 seinem Freund Nicolò Rasmo widmete, und mehrere von Camillo Rasmo geschaffene Porträts.

Zur Abrundung des Überblicks über Rasmos Leben und Tätigkeit ein Dokumentarfilm, der um das im Jahr 1982 mit Tiziana Piazza geführte Interview (in "Difesa del patrimonio artistico / Schutz des Kunstbestands") die Aussagen von Personen verflicht, die ihm - wie die Tochter Giuliana - nahe standen und seine Untersuchungen in Ehren gehalten haben.

Siehe:

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