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Bozens Geschichte kurzgefasst

Historische Entwicklung Bozens (Bild: jpg, 54 Kilobyte, 575 x 363 pixel)

 

Bozens mittelalterliche Geschichte ist reich an Ereignissen, Fakten und Hinterlassenschaften. Seit dem späten 12. Jahrhundert bildete Bozen frühstädtische Siedlungsformen aus. Entscheidend für diese Entwicklung war die Gründungsinitiative der Bischöfe von Trient, die inmitten der alten ländlichen Randsiedlungen des Bozner Raums eine neue Marktsiedlung ins Leben riefen.

Diese erste Urbanisierungsphase war wesentlich von den verschiedenen regionalen Herrschaftsträgern bestimmt. Neben den Bischöfen waren dies die Grafen von Eppan, von Morit-Greifenstein und Tirol-Görz sowie die Edelfreien von Wangen. Diese "Gründerzeit" war jedoch nicht konfliktfrei: Der Streit um die Vorherrschaft im Bozner Raum zwischen den Bischöfen von Trient und den Grafen von Tirol mündete sogar in kriegerische Auseinandersetzungen, die erst mit dem Sieg Tirols endeten. Erst nach dieser herrschaftspolitischen Befriedung und nach dem Übergang Tirols an das Haus Habsburg im Jahr 1363 konnte eine neue wirtschaftliche und soziale Konjunkturphase starten. Sie fand ihren Ausdruck im bedeutsamen Stadtratsprivileg von 1442, das König Friedrich III. der Territorialstadt Bozen erteilte. Besonders in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter Erzherzog Sigmund und um die Wende zum 16. Jahrhundert und König Maximilian I. wurde die städtische Entwicklung Bozens erheblich akzentuiert: die Stadt wurde gezielt zu einem wirtschaftlichen und politischen Mittelpunkt der Grafschaft Tirol ausgebaut. Diese Konzentrationsbewegung wurde nicht unerheblich durch die Schaffung eines einheitlichen Landgerichts Gries-Bozen sowie eine einigermaßen stabile pfarrkirchliche Organisation gefördert, was die Integration der Randbezirke Gries und Zwölfmalgreien in die Bozner Entwicklung nachhaltig begünstigte.

Die Entfaltung Bozens zu einem auch überregional wichtigen städtischen Zentralort setzte sich im 16. und 17. Jahrhundert fort. Nicht zuletzt dank einer nie versiegenden Zuwanderung von auswärts, vor allem aus den süddeutschen und österreichischen Ländern, bildete sich in Bozen eine hochgradig spezialisierte Handwerker- und Händlerkultur aus. Sie fand ihren Höhepunkt in einem von der weitblickenden Erzherzogin Claudia de' Medici 1633/35 eingerichteten innovativen Handelsgericht, dem sog. Merkantilmagistrat.

Der Profit aus der Weinproduktion, dem Transportgewerbe und dem Messewesen verblieb bei den immer zahlreicher werdenden Kaufleuten im altstädtischen Kernbereich der Lauben. Damit wurde auch der immense Wandel der Wirtschafts- und Sozialstruktur in den folgenden Jahrhunderten vorstrukturiert.Insgesamt gesehen ist das mittelalterliche Bozen ein aufschlussreiches Fallbeispiel für soziale, wirtschafliche und politische Dynamiken und Verwerfungen der alteuropäischen Welt. Wie für andere alpine Zentren war auch für Bozens Entwicklung das spannungsreiche Stadt-Land-Verhältnis mit ausschlaggebend - als urbanes Zentrum unterschied sich der städtische Bereich rechtlich wie sozialräumlich von den umgebenden ländlichen Gebieten, empfing jedoch vielfältige Impulse von außen und wirkte nicht zuletzt dank der langdauernden Ausbildung einer autonomen kommunalen Sphäre auf das umliegende Territorium wieder zurück.

Diese frühstädtischen Grundbedingungen sind bis heute im architektonischen und stadträumlichen Gefüge Bozens ablesbar. Zahlreiche Gebäude, Straßenführungen und nicht zuletzt Örtlichkeitsnamen geben Zeugnis von der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Vergangenheit und ihrer Wechselfälle. Da sind zum einen die früheren Verwaltungssitze der Trienter Bischöfe und der Tiroler und Habsburger Landesherren, die (heute verbauten) Wohntürme von Ministerialen, die Handelshäuser entlang der Lauben, die Kirchenbauten, darunter die Dompfarrkirche, die Bettelorden und die zahlreichen kleineren Gotteshäuser der Umgebung, schließlich die eindrucksvolle Menge an Burgen und Ansitzen in und um Bozen.

Hannes Obermair, 2005

 
Bozner Stadtsteuer von 1353 (Bild: jpg, 275 Kilobyte, 664 x 1024 pixel)

La città di Bolzano nel 1541, cartina del borgomastro Leonhard Hörtmair (Bild: jpg, 940 Kilobyte, 1024 x 774 pixel)

La città di Bolzano nel 1541, cartina del borgomastro Leonhard Hörtmair

Ludwig Pfendter 1607 (Bild: jpg, 1,041 Kilobyte, 1024 x 817 pixel)

Matthäus Merian 1649 (Bild: jpg, 1,893 Kilobyte, 2400 x 1516 pixel)

Geuters Reiseführer Bozen 1914 (Bild: jpg, 2,852 Kilobyte, 1904 x 1304 pixel)

Geuters Reiseführer Bozen 1914

 
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