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Der Bau des neuen Bozner Rathauses

Der alte Gemeindesitz in der Laubengasse 30 entsprach zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr den räumlichen und funktionalen Ansprüchen der Gemeindeverwaltung.

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts entzündete sich eine angeregte Diskussion über den Standort eines neuen Rathauses, über den zu Anfang keine Einigkeit herrschte.
Unter den möglichen Standorten dachte man zuerst an einen Neubau anstelle der Mädchenschule am Waltherplatz, dann an die neuen Stadtteile südlich der Altstadt. Die im Gemeinderat geführte Debatte wurde bald zu einem Thema des öffentlichen Interesses, das auch die beiden städtischen Zeitungen aufgriffen. Die Bozner Zeitung stand der Linie Julius Perathoners nahe, während die Bozner Nachrichten als Sprachrohr der Opposition auftraten.
Die von Stadtbaumeister Wilhelm Kürschner hervorgehobenen Vorteile eines Rathausneubaus im Herzen der Stadt überwogen schließlich, und Bürgermeister Perathoner bestimmte den nach einer bis 1785 dort bestandenen kleinen Kirche benannten Dreifaltigkeitsplatz zum Bauplatz. Es gelang ihm auch, sich die Zustimmung der Kaufleute zu sichern, welche dort, dem Zeitgeist entsprechend, einen überdachten Marktplatz errichten wollten.

Das Projekt für die Bebauung und neue Nutzung des Grundstückes wurde dem Architekten Delug zugewiesen. Es sah eine neue Gestaltung des südlichen Teiles des Platzes vor, wo das neue Rathaus in zentraler und vorstehender Lage auf der Fläche von zwei bereits bestehenden Parzellen errichtet werden sollte. 1901 kaufte der Stadtmagistrat deshalb das Wirtshaus "Zum Anker" und das dahinterstehende Gebäude des Kaufmanns Simon Wälsch an.

Baumeister Kürschner legte zwei Projektvorschläge vor, dessen zweiter zu Beginn des Jahres 1904 umgesetzt wurde. Das Kürschner-Projekt wurde von Gabriel von Seidl und Carl Hocheder überprüft. Die beiden akademischen Architekten empfahlen, den Uhrturm und das Treppenhaus etwas hinter die Stirnseite des Gebäudes zurückzusetzen.

Stilistische Abanderungen an der Fassade und den Mauern wurden nach Anweisungen von Carl Hocheder vorgenommen, der auch den Ratssaal und das Arbeitszimmer des Bürgermeisters entwarf. Dem Stadtbaumeister sind darüber hinaus - außer seiner eindeutigen, zu Beginn der Planungsphase geäußerten Stellungnahme zugunsten des Standorts am Dreifaltigkeitsplatz - auch die Entwürfe der Inneneinrichtung und der Möbel des Magistratssaals, seines Arbeitszimmers und aller anderen Verwaltungsbüros zu verdanken. Auch leitete er federführend die Bauarbeiten.
Für die Vergabe der Baumeisterarbeiten wurde ein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben, den die Firma Johann Bittner für sich entschied.
Die Gesamtausgaben für den Bau des Rathauses beliefen sich auf 650.000 Kronen.

Das neue Rathaus wurde am 22. Dezember 1907 eingeweiht.

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