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Das Projekt "Städte der Erinnerungen"

Das Projekt "Städte der Erinnerungen" setzt sich zum Ziel, ein Netzwerk zwischen den Gemeinden Italiens - und in Zukunft jenen Europas - zu schaffen, die besondere Merkmale aufweisen. Mitglieder dieses Netzwerkes sind Städte und Körperschaften, die auf dem Gemeindegebiet noch Spuren des Zweiten Weltkrieges aufweisen und Initiativen gesetzt haben, um diese historischen Stätten zu erhalten, zu schützen und aufzuwerten, um Stätten des Gedenkens zu schaffen und sie für die nächsten Generationen zu bewahren.

Auf nationaler und internationaler Ebene sind noch zahlreiche Spuren der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges erhalten, aber es gibt sehr wenige Initiativen, die sich die Unterschutzstellung und die Aufwertung dieser historischen Zeugnisse zum Ziel gesetzt haben.
Es ist auch nicht selbstverständlich, dass eine Gemeinde-, Landes- oder Regionalverwaltung auch in der Aufarbeitung dieser historischen Begebenheiten auf ihrem Einzugsgebiet tätig wird.

Das Projekt "Städte der Erinnerungen" wurde im Rahmen einer Tagung vorgestellt, die am 20. Januar 2006 in Bozen anlässlich des Tages des Gedenkens stattgefunden hat. Die Tagung wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde von Nova Milanese organisiert.
Die bisher geleistete Aufarbeitung, die klare Zielsetzung und die nationale und internationale Anerkennung, die die zwei Gemeindeverwaltungen zum Thema des Gedenkens erhalten haben, sind die Gründe, die Bozen und Nova Milanese bewogen haben, neue Partnerschaften zu suchen und ein neues Netzwerk zu schaffen.
Seit 1995 engagiert sich die Stadtgemeinde Bozen für das Projekt "Storia e memoria: il Lager di Bolzano / Geschichte und Erinnerung: das Bozner Lager". Seit 1996 ist die Gemeinde Nova Milanese in dieses Projekt eingebunden.
Die Gemeinde Nova Milanese treibt ihrerseits seit mehr als 20 Jahren das Projekt "… per non dimenticare" voran.
In den vergangenen Jahren haben die öffentliche Fernsehanstalt der RAI (RAI Educational, 2000 und 2001), das Militärgericht von Verona im Prozess gegen M. Seifert (2000) und der Verlag Einaudi (2004) auf die Mitarbeit von Vertretern der Gemeindeverwaltungen Bozen und Nova Milanese zurückgegriffen.

Ziel des Netzwerkes ist es, für Verwalter und Historiker eine Plattform des Dialogs und des Austauschs zu schaffen. Im Fokus steht nicht so sehr eine reine Auflistung der Stätten der Erinnerung - auch das wird eine Folge des Netzwerkes sein -, sondern vielmehr die bessere Kenntnis und der Austausch von Informationen und Erfahrungen im Bereich der Aufwertung von historischen Stätten.

In erster Linie werden also die Verwaltungen in das Projekt eingebunden, die auf die bereits geleistete Arbeit und die Erfahrungen anderer Körperschaften zurückgreifen können, um ihrerseits Initiativen zum Thema der Erinnerung zu starten (Ausstellungen, Dokumentationsstellen, Museen).

Eine besonders wichtige Zielgruppe sind die Schulen, denn sie sind vordringlicher Ansprechpartner der zahlreichen Veranstaltungen, mit denen eine örtliche Verwaltung auftritt.

Jede Verwaltung, die dem Netzwerk des Projekts "Städte der Erinnerungen" beitritt, erstellt ein eigenes Tätigkeitsprogramm, das auch die Projektphasen umfasst, die sie zusammen mit anderen Gemeindeverwaltungen durchführen wird, die sich ebenfalls am Projekt beteiligen.

Die Projektkosten gehen zu Lasten der einzelnen Körperschaften. Arbeiten mehrere Gemeindeverwaltungen zusammen, so können die Kosten aufgeteilt werden. Die Kriterien für die Kostenaufteilung wird im Rahmen der dafür notwendigen Verwaltungsakten definiert.

Es besteht der Wunsch, dass die Hauptstadt Rom die Rolle der federführenden Verwaltung in diesem Projekt übernimmt. Ein Vertreter der römischen Gemeindeverwaltung hat auf der Tagung vom 20. Januar 2006 in Bozen einen Vortrag zum Thema gehalten. Außerdem wurde auf Betreiben von Bürgermeister Walter Veltroni in Rom ein eigenes Amt eingerichtet, das sich mit der Thematik der Erinnerung auseinandersetzt (Ufficio del Consigliere del Sindaco per le Tematiche relative alla Valorizzazione del Patrimonio di Memorie della Città) und dessen Leitung Prof. Sandro Portelli, einem anerkannten Wissenschaftler im Bereich der Oral History, übertragen wurde. Prof. Portelli ist über das Vorhaben der Gemeinde Bozen bestens informiert und hat seine Unterstützung bereits zugesagt.

Im Laufe der Tagung vom 20. Januar 2006 haben außerdem der Bürgermeister von Borgo San Dalmazzo (Cuneo) und Herr Prof. Borgomaneri im Namen des Instituts für Geschichte und der Gemeindeverwaltung von Sesto San Giovanni (Mailand) angeregt, dass die Gemeindeverwaltung Bozen die Vorlage für einen Beschlussantrag ausarbeitet, den die Gemeindeverwaltungen übernehmen können, die beabsichtigen, formell dem Netzwerk beizutreten.

Auch Prof. Rolando Dondarini, Dozent für mittelalterliche Geschichte und Didaktik an der Universität Bologna hat dazu aufgerufen, das Netzwerk formell einzurichten, damit bereits im heurigen Jahr gemeinsame Initiativen und Veranstaltungen verwirklicht werden können.

Text: Carla Giacomozzi, Stadtarchiv Bozen 2006

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